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Geschichte der freiwilligen Feuerwehr Schladen

Eine Chronik unserer Feuerwehr

 

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Allgemeines + FahrzeugeWettkämpfe

 

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Der Tod des Hauptmannes

Am 6. Februar 1928, morgens um 10.30 Uhr, geht schließlich bei der Freiwilligen Feuerwehr Schladen, eine Ära zu Ende: An diesem Morgen verstirbt Carl Weigel. Seit Gründung der Wehr, also 35 Jahre zuvor, war er Feuerwehrhauptmann in Schladen – eine heute fast unvorstellbare Zeit.

Künftig wird Feurwehrhauptmann Steckhan die Wehr leiten. Spätestens jetzt brechen bei der Wehr "moderne Zeiten" an, die durchaus viel versprechend beginnen, letztendlich aber in der Katastrophe enden. Steckhan hat jedenfalls noch Zeit, der Wehr ein modernes Gesicht zu geben, bevor sich der Gewaltstaat bis in die Vereine und die Feuerwehren auswirken wird.

 

 

Im Jahre 1931 eines der modernsten Spritzenhäuser weit und breit

 

So wird 1928 die Alarmierung der Wehr durch Hornisten abgeschafft und die Sirenenalarmierung eingeführt, die bis in die 80er Jahre Bestand haben soll. Im Jahre 1931 wird schließlich das neue Spritzenhaus am Lindendamm eingeweiht, eines der modernsten und leistungsfähigsten Spritzenhäuser weit und breit.

Als im Januar 1933 Hitler die Macht übernimmt, ist es mit den friedlichen Zeiten jedoch vorbei, auch wenn viele Feuerwehrleute damals –wie die meisten Deutschen- glauben, die gute Zeit breche jetzt erst an. Bereits am 21. April 1933 wird den Feuerwehrleuten mitgeteilt, daß auf Beschluss des Feuerwehrverbandes, sämtliche Mitglieder, die einer "staatsfeindlichen Partei" angehören, aus den Feuerwehren auszuschließen sind. Das dies der Anfang von einem katastrophalen Ende ist, scheint jedoch den wenigsten damals klar zu sein.

Wichtiger ist damals in der Feuerwehr, dass zu diesem Zeitpunkt Schladen seine erste Motorspritze erhält. 3 265,- Reichsmark kostet sie, Lieferant sind die Magiruswerke in Ulm. Das gute Stück ist übrigens noch heute als "Goldtank" (dank seiner Messingkonstruktion) im Alten Amtshaus am Lindendamm vor dem Eingang der Feuerwehr zu bewundern.

Die Schladener Feuerwehrleute müssen nun also den Umgang mit der Motorspritze lernen. Noch wichtiger scheint den neuen Machthabern aber ein anderer Lehrstoff zu sein. In den 1934 erlassenen "Ausbildungsvorschriften für die Feuerwehren im Fußdienst" wird als wichtiges Ausbildungsziel unter anderem der "Deutsche Gruß" den die Wehren ab sofort zu erweisen haben, beschrieben. "Hierzu wird der rechte Arm schräg nach vorn gestreckt, so daß die Handspitze ungefähr in Höhe des rechten Auges liegt. Trägt der Feuerwehrmann Beil, so wird die linke Hand zwanglos ausgestreckt nach unten gehalten und das Beil, ohne es krampfhaft zu umklammern leicht nach vorn gedrückt..." Man könnte lachen über soviel Schwachsinn, wenn man nicht wüsste, dass der "Deutsche Gruß" für die Völker Europas zum Todesgruß wurde.

 

Blutzoll für einen Wahnsinnigen

Auch in den Schladener Volksempfängern kann man die Worte des Wahnsinnigen aus Braunau hören, die später so berühmt-berüchtigt wurden: "Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen". Mit diesen Schüssen der "Schleswig-Holstein" auf die Danziger Westerplatte beginnt am 1. September 1939 (in Wirklichkeit bereits um 4.45 Uhr) das große Völkerschlachten. Auch Feuerwehrleute werden eingezogen, auch sie müssen ihren Blutzoll zahlen. Wie im ersten Weltkrieg bleibt auch von Ihnen nur die Erinnerung – und wieder eine Gedenktafel.

Die Daheimgebliebenen, die den Siegestaumel der ersten Jahre noch recht unbeschädigt überstehen, merken spätestens beim Anflug der Bombenverbände, dass man Rechnungen, die man macht, irgend wann einmal auch bezahlen muß.

 

 

Gesund aus der Bombenhölle von Braunschweig nach Schladen zurückgekehrt. Ein Einsatztrupp der Feuerwehr Schladen nach einem Luftangriff.

 

Von Links:

Ernst Steckhan, Fritz Crome, Ferdinand Hausmann, Friedrich Meyer, Alfred Hans, Kasimir Kolodziej und Richard Reddehase
 

 Regelmäßig muß dabei auch die Schladener Feuerwehr ausrücken und kann nur die kläglichen Reste ablöschen von dem, was einmal so stolze Städte wie Braunschweig oder Hildesheim waren.

Als am 10. April 1945 amerikanische Panzer vor dem Spritzenhaus aufziehen, liegt Deutschland in Trümmern. Aber aus diesen Trümmern sollte eine lange Zeit des Friedens und des Aufbaus wachsen, die auch bei der Feuerwehr zu einem ungeahnten Auf- und Umschwung führte.

In der ersten protokollierten Versammlung vom 2. Oktober 1948 wird Otto Warnecke als Nachfolger des verstorbenen Feuerwehrhauptmanns Steckhan zum neuen Ortsbrandmeister gewählt. Auf dieser Versammlung redet auch ein Schladener, der ebenfalls einen neuen Posten hat: Heinrich Hartmann war zum neuen Kreisbrandmeister des Kreises Goslar berufen worden und er berichtete auf der Versammlung von den Schwierigkeiten des Aufbaus einer neuen Feuerwehrorganisation im Kreis.

Nachdem Hartmann für ein Jahr auch das Amt des aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Otto Warnecke innehatte, wird schließlich im Jahre 1951 ein Name an die erste Stelle der Feuerwehr gesetzt, der nicht unbekannt ist: die Freiwillige Feuerwehr wählt Carl Weigel zum neuen Ortsbrandmeister, der damit die Familientradition des Wehrgründers fortsetzt.

 

Sitz der "Kreisschirrmeisterei"

In seine Amtszeit fällt die weitere Modernisierung der Feuerwehr und insbesondere der Ausbau des in den 30er Jahren zur "Kreisschlauchpflegerei" erhobenen Schladener Spritzenhauses zur "Kreisschirrmeisterei" des Landkreises Goslar.

Licht und Schatten liegen aber auch in diesen Jahren dicht beieinander, wie das bei der Feuerwehr nun einmal so ist. Zum Beispiel am 11. März 1955 bei einem Großbrand in der Neuen Dorfstraße, bei Otto Salwitzki. Bei dem Versuch, dem Nachbarn zu Hilfe zu eilen, bricht der Feuerwehrmann Otto Schacht tot zusammen.

 

 

1953 wird das 60 jährige Bestehen der Wehr gefeiert. Auf dem Bild u.a. von rechts Brandmeister Fritz Schade, Ortsbrandmeister Carl Weigel, Kreisschirmmeister Walter Facius und der spätere Ortsbrandmeister Walter Diedrich

 

 

Ein Jahr später wird der Tod zweimal in den Reihen der Feuerwehr schwere Lücken reißen. Am 7. Oktober 1956 stirbt, ganze 59 Jahre alt, Ortsbrandmeister Carl Weigel, der sich nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch als stellvertretender Bürgermeister und Kreistagsabgeordneter in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hatte.

Nur sieben Tage später, am 14. Oktober, stirbt im Alter von 57 Jahren Walter Facius, der als Kreisschirrmeister weit über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannt war. Die am selben Tag angesetzte Katastrophenübung des Kreises wird sofort abgesetzt und die Feuerwehren des Kreises eilen an das Sterbebett und geben Walter Facius das letzte Geleit zum Friedhof.

Für die Feuerwehr Schladen beginnt auf zwei Ebenen eine neue Ära: Mit Fritz Müller wird ein neuer Gemeindebrandmeister gewählt und mit dem neuen Kreisschirrmeister Kurt Hausmann erhält die Feuerwehr Schladen ein "Aushängeschild", das bis auf den heutigen Tag bei den Feuerwehren in ganz Niedersachsen bekannt ist.

Unter Fritz Müller, der später zum Kreisbrandmeister berufen wird und seinem Nachfolger im Amt des Gemeindebrandmeisters, Walter Diedrich, wird der Ausbau eines modernen Löschwesens konsequent und zügig vorangetrieben.

So wird unter anderem 1957 in der Leo-von-Klenze-Straße der große Löschwasserbrunnen zum vorbeugenden Brandschutz in Betrieb genommen und ein neues Löschfahrzeug angeschafft. Das neue LF8, das in diesem Jahr das wüstenkriegserfahrene LF16 ablöst, wird in den Nachkriegsjahren bis in die 80er Jahre hinein die Schladener Feuerwehr treu begleiten.

Am 14. April 1964 stirbt Kreisbrandmeister Fritz Müller, dessen Leben "ein Stück Feuerwehrgeschichte des Kreises Goslar ist" wie es in einem Nachruf heißt. Hochdekoriert, unter anderem mit der Sonderstufe des Niedersächsischen Feuerwehrehrenzeichens, tritt er von der Feuerwehrbühne ab. "Sechs Jahre hat er als Kreisbrandmeister seinen Wehren alles gegeben, was er zu geben hatte", heißt es im Nachruf des Kreisfeuerwehrverbandes Goslar.

 

Und wieder brennt eine Kirche

Für die Feuerwehr geht die Arbeit weiter und es gibt auch in den 60er Jahren viel zu tun. Zum Beispiel 1967, als allein fünf Großbrände die Wehr in Atem halten.

Dabei können die Wehrleute übrigens einiges gutmachen: Nach über 60 Jahren wird die Wehr wieder zu einem Kirchenbrand gerufen, diesmal in der evangelischen Kirche. Dank des beherzten und gekonnten Einsatzes kann jedoch ein vollständiges Ausbrennen des Gotteshauses diesmal verhindert werden.

Aber nicht nur zur Brandbekämpfung wird die Wehr gerufen. Immer wieder sind es auch Hochwasserschäden, nach dem Bau der Kanäle weniger die der Wedde, dafür die der Oker, bei denen die Wehrleute an die Pumpen müssen.

Im Jahre 1972 ist es dann eine andere Naturgewalt, gegen die die Schladener Feuerwehr zu kämpfen hat. Ein Orkan verwüstet in Schladen Dächer und Gärten, entwurzelt Bäume und richtet insbesondere auf der Harzstraße, wo vor allem Breustedts große Scheune und die Tankstelle betroffen sind, verheerende Schäden an.

Die Anforderungen an die Wehr werden in diesen Jahren immer größer und der Wandel von der reinen "Löschorganisation" zum Technischen Hilfeleister deutlich. 1973 muß die Wehr zu Bränden in der Trocknung der Zuckerfabrik ausrücken – Brände, die hohe Anforderungen an technisches Wissen und viel Umsicht erfordern.

Und in verstärktem Maße muß die Wehr Hilfeleistungen bei Unfällen geben – der immer dichter werdende Verkehr fordert seine Opfer.

Als "Ersatz" für das "praktisch nicht mehr einsatzfähige" LF8 wird in dieser Zeit das neue LF16 angeschafft. Dennoch leistet das LF8 bis in die 80er Jahre treu seine Dienste, auch wenn es bei seinen Einsätzen mit seinem asthmaverdächtigen Martinshorn immer so aussieht, als würde es hinter seinem großen Bruder hinterher hecheln.

Im Januar 1976 wird dann Waldemar Hattwig zum neuen Ortsbrandmeister gewählt. Er setzt die Modernisierungsbestrebungen seiner Vorgänger fort, wird sich aber vor allem durch zwei Dinge in die Chronik der Feuerwehr eintragen: die konsequente Öffnung der Feuerwehr für die Jugend und die grundlegende Sanierung des Gerätehauses und des neuen Feuerwehrschulungsraumes.

 

Die Wehr bekommt "Nachwuchs"

Bereits 1974 war die Jugendfeuerwehr Schladen gegründet worden, die unter Lothar Hattwig konsequent und zielgerichtet Nachwuchsarbeit für die Wehr leistet. Mit der Rückendeckung seines Vaters konnte Lothar Hattwig diese Jugendgruppe zu einem festen Bestandteil der Freiwilligen Feuerwehr aufbauen, der heute nicht mehr wegzudenken ist.

Den Sanierungsbemühungen der Gemeinde Schladen ist es schließlich zu verdanken, dass die Feuerwehr Schladen eine "neue alte" Heimat bekommt. Grundlegend wird das alte Spritzenhaus saniert, das seit dem Neubau der Kreisschirrmeisterei 1965 der Feuerwehr Schladen zur alleinigen Nutzung zur Verfügung stand. Ebenfalls grundlegend saniert wird das "Alte Amtshaus" direkt neben dem Spritzenhaus und die Feuerwehr Schladen erhält hier einen Schulungs- und Versammlungsraum, der sich wohltuend von der sonst üblichen Betonarchitektur abhebt.

Zu Hunderten drängen sich die Feuerwehren der region auf "Breustedt's Hof" anlässlich des 85 jährigen Bestehens der Feuerwehr

 

1983 folgt Udo Warnecke im Amt des Ortsbrandmeisters und auch er treibt die Modernisierung der Wehr, insbesondere der Ausrüstung konsequent voran. Warnecke trägt damit den Anforderungen Rechnung, die in immer stärkerem Maße an eine moderne Feuerwehr herangetragen werden. Die Ausrüstung und Ausbildung beim schweren Atemschutz etwa wird kontinuierlich verbessert. Brände heutzutage bedeuten eben nicht nur "reines Feuer", sondern allzu oft auch gefährliche Dämpfe und Gefahren. Die Feuerwehrleute wandeln sich zu kleinen Chemikern.

Immer wichtiger werden aber in diesen Jahren auch die Fragen nach der Zukunft auf einer Erde, die die Belastungen des Menschen nicht mehr erträgt. "Umweltschutz" wird zu einem wichtigen Begriff der Feuerwehr. Vom Abfallsammeln im Okerbau, der Erfassung von Gefahrguttransportern und der Bekämpfung von Ölunfällen reicht die Palette der Einsätze. Zuviel Arbeit, als das sie eine Wehr allein schaffen könnte. Der Zusammenarbeit mit Nachbarwehren und mit anderen Hilfsorganisationen misst Warnecke große Bedeutung bei, wie etwa die gemeinsame Großübung mit dem Technischen Hilfswerk auf dem Gelände der Zuckerfabrik beweist.

 

Die "Jugend" übernimmt das Ruder

Mit gewisser Verspätung, aber dafür umso kräftiger wird 1985 das 90jährige Bestehen der Wehr gefeiert und nun steht die Wehr vor den Feiern zu ihrem 100jährigen Bestehen. Ein stolzes Jahr, aber die Wehr feiert es in einer Phase, in der sie so jung wie nie zuvor ist. Mit ihrem neuen Ortsbrandmeister Wofgang Hattwig hat der "ehemalige Nachwuchs" das Kommando in der Wehr übernommen – ohne dabei aber auf die Erfahrung der "Senioren" zu verzichten.

Sichtbarster Ausdruck der neuen Ära unter Wolfgang Hattwig wird die Öffnung der Feuerwehr für die Frauen sein. Erstmals in der Jahrhundertgeschichte der Feuerwehr Schladen trägt mit den Mädchen der Jugendfeuerwehr das weibliche Geschlecht den "blauen Rock".

 


Das Kommando der FFW-Schladen im Jubiläumsjahr 1993

 

Von links:

Gerd Downar, Gerd Muth, Horst Rabe, Andreas Fricke, Volker Schudeleit, Ortsbrandmeister Wolfgang Hattwig, Günter Tomczak, Wilhelm Schwetge, Otto Stiefel, Hans-Peter Rabe und Michael Hausmann

Das zweite Jahrhundert ihrer Geschichte, das die Feuerwehr jetzt beginnt, wird keine Zeit des Ausruhens werden. Wolfgang Hattwig wird die Wehr in eine Zeit führen müssen, die hohe Anforderungen stellt. Der Glücksfall der deutschen Einheit, aber auch die damit verbundenen Probleme, werden Finanzmittel nicht mehr so sprudeln lassen wie früher.

Und der Rückzug immer mehr Menschen aus der Gesellschaft in das Private stellt die Feuerwehr vor die Frage, wie es ihr auch weiterhin gelingen wird, Menschen für den Dienst am Nächsten zu motivieren.

 

"Einer für alle – alle für einen"

Die bisherigen Monate stimmen einen zuversichtlich, das der Wehr dies gelingen wird. Und die bisherigen 100 Jahre der Feuerwehrgeschichte geben Mut und Hoffnung, das es auch in Zukunft immer genügend Männer –und jetzt natürlich auch Frauen- geben wird, die bereit sind, sich unter dem alten Feuerwehrmotto "Einer für alle – alle für einen" und dem Leitspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" für die Allgemeinheit einzusetzen.
 

 

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